Für Rappaport liegt der Reiz seiner Arbeit im Ausloten des Materials – und in der Interaktion mit Menschen:
Wie reagiert das Holz, wie das Wasser, wie das Holz im Wasser? Durch die Interaktion mit den Menschen verändert sich seine Kunst. Während des Tuns – und oft noch Jahre danach.

Rappaport geht es um Sinn, weniger um Machbarkeit. Und doch wird immer wieder Unwahrscheinliches Realität, weil er Machbarkeit zu organisieren weiß.
So wollte Rappaport 2000 nicht hinnehmen, dass eine 300 Jahre alte Eiche aus Gründen der Wegesicherung gefällt werden sollte. Seine Lösung: Er sägte in den knorrigen, alten Stamm ein Kettenglied und legte die tonnenschwere Krone des Riesen sanft zur Seite.
Das Projekt war nur mit spektakulärem Aufwand zu bewerkstelligen. Es gelang Rappaport, ein Team von Fachleuten, Handwerkern und Unterstützern zu gewinnen.

Nächstes Eichen-Projekt war 2007 die „Kugel-Eiche“ – ein „chirurgischer“ Kunsteingriff am lebenden, verwurzelten Baum. Im Stammkern legte Rappaport eine Kugel frei, die sich durch drei handbreite Schlitze greifen lässt. Der Baum lebt weiter und die „Arbeitsfenster“ schließen sich  – was bleibt, sind drei Narben und eine Idee.

Seit 2012 hat Rappaport das „Holzfalten“ für sich entdeckt: kompakte Stämme werden in teilweise komplexen Abfolgen eingesägt und dann kunstvoll miteinander verschränkt.

Dieter Soldan